Hans Küng und das Projekt „Weltethos“

 

In seiner Programmschrift „Projekt Weltethos“, die er 1990 veröffentlicht, formuliert Küng drei Grundüberzeugungen:

  1. Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen.
  2. Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen.
  3. Kein Dialog zwischen den Religionen ohne Grundlagenforschung in den Religionen. 

Seine Grundlagenforschung findet drei Jahre später, am 4. September 1993, ihr erstes großes Resultat in der „Erklärung zum Weltethos“ des Parlaments der Weltreligionen. Mit deren Unterzeichnung verständigen sich erstmals Repräsentanten aller Weltreligionen auf Kernelemente eines gemeinsamen Ethos:

  1. Das Prinzip Menschlichkeit
  2. Die »Goldene Regel« der Gegenseitigkeit (Mt 7,12: Was ihr von anderen erwartete, das tut ebenso auch ihnen)
  3. Die Verpflichtung auf Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und die Partnerschaft von Mann und Frau

= Erklärung zum Weltethos als Ergänzung der Menschenrechte aufgrund der Globalisierung  und technisch fortgeschrittenen Welt. Voraussetzung hierbei ist der Grundkonsens der Religionen, der verbindenen und verbindlichen Werte, Maßstäbe, moralische Grundhaltung, welche von allen Religionen anerkannt ist.

Um diese Werte den Menschen neu bewusst zu machen und sie weiterzugeben, so dass sie schließlich gelebt werden, braucht es nach Küng:

Lösungsansätze nach King um Werte neu zu vermitteln:

  1. Dialog der Religionen und Kulturen, besonders das Wissen um Gemeinsamkeiten im Ethos.
  2. Kulturübergreifende Werteerziehung. Schon Kinder müssen lernen, dass friedliches Zusammenleben auf allen Ebenen vom Einhalten elementarer Regeln abhängt. Keine Gesellschaft kann ohne ein verbindendes Wertefundament funktionieren.
  3. Ethische und interkulturelle Kompetenz in Wirtschaftsunternehmen. Akteure im internationalen Wettbewerb sind mehr denn je auf kulturübergreifende Normen angewiesen. 
  4. In Recht und Ethos verankerte internationale Politik:  Kooperation und Integration statt militärischer Konfrontation.

Ebenfalls nötig wären jedoch:

  1. Der Wille zum Dialog
  2. Dialogfähigkeit
  3. Akzeptanz und Umsetzung des Weltethos von allen Menschen

Prinzipien des Weltethos:

  1. 1.     Keine neue Weltordnung ohne ein Weltethos
  2. Jeder Mensch, gleich welchen Geschlechts, welcher ethnischer Herkunft, welchen sozialen Stats, welcher Sprache, welchen Alters, welcher Nationalität oder welcher Religion, soll wahrhaft menschlich behandelt werden und auch anderen gegenüber im Geist der Solidarität handeln
  3. Auf jeden Menschen soll die Goldenen Regel, eine uralte Weisung vieler ethischer und religiöser Traditionen, angewendet werden 

Weisungen des Weltethos:

  1. 1.     Die Selbstverpflichtung auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben
  2. Die Selbstverpflichtung auf eine Kultur der Solidarität und auf eine gerechte Wirtschaftsordnung
  3. 3.     Die Selbstverpflichtung auf eine Kultur der Toleranz und auf ein Leben in Wahrhaftigkeit

Die Selbstverpflichtung auf eine Kultur der Gleichberechtigung und auf die Partnerschaft von Mann und Frau